Eine Lanz Dampfmaschine Baujahr 1914 und ihr Weg vom Holzbau Obermeier zu den Hemhofer Oldtimerfreunden

Lanz – eine deutsche Maschinenbauikone aus dem 19. Jahrhundert mit Sitz in Mannheim, der es mit ihren technischen Errungenschaften immer wieder gelang ihre Kundschaft bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zu begeistern. Im Jahr 1909 feierte Lanz bereits sein 50-jähriges Firmenjubiläum und hatte zu diesem Zeitpunkt die Zahl von 4.000 Beschäftigten bereits weit überschritten. Der Niedergang des Unternehmens, seine Versäumnisse und seine Fehleinschätzungen, bis zur Übernahme durch den amerikanischen Traktorenhersteller John Deere sind auf Wikipedia eindrücklich beschrieben und sollen nicht Bestandteil dieser Niederschrift sein. Dass die Lanz Traktoren heute auf den Oldtimerausstellungen in der Region eine gern gesehene Attraktion darstellen hat aber sicherlich etwas mit der hohen Ingenieurskunst dieser deutschen Unternehmensikone zu tun. Im Jahr 1910, als die Weltausstellung in Brüssel stattfand, stellte Lanz wie bereits in Paris die größte Lokomobile Dampfmaschine der Welt aus, diesmal mit einer Netto-Leistung von 1000 PS (735 kW)! Die Maschine erhielt drei Goldmedaillen. Ein Inserat aus dem Jahr 1913 eingestellt im österreichischen Fachblatt Bautechniker warb für die Lokomobile mit einer jährlichen Produktion von über 2.000 Stück, jene Lokomobile mit der auf Lanz patentierten Ventilsteuerung „System Lentz“.

Die Heißdampf Lokomobile der Oldtimerfreunde Hemhof ist ein Erbstück. Über die mehr als hundertjährige Geschichte dieser Maschine ist uns wenig bekannt. Wer seinerzeit die Neumaschine bei Lanz gekauft hat und für welchen Zweck sie verwendet wurde, das konnten wir bis heute nicht zuverlässig recherchieren. Sicher ist nur, dass Obermeier Senior für seine jahrzehntelang direkt in Endorf ansässige Zimmerei das gute Stück erworben hat. Er ließ für seine Zwecke die Verrohrung und den Kessel der Dampfmaschine abändern, um mit der entstehenden Wärme seine Werkhallen und Trockenkammern zu beheizen. Die Dampfmaschine besaß zu dieser Zeit eine Unterflurfeuerung und einen Ölbrenner.  

Jenem Josef Obermeier Senior haben es die Oldtimerfreunde Hemhof zu verdanken, dass sie in seinem Testament bedacht wurden. Er ging davon aus, dass die Oldtimerfreunde das gute Stück auch tatsächlich ausstellen und die technische Errungenschaft des Dampfmaschinenzeitalters der Nachwelt zugänglich machen.

Zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe und so kam es, dass zunächst einmal gar nichts passierte. Die Dampfmaschine führte weiterhin ihren Dornröschenschlaf in den „hohen Hallen“ der Zimmerei, der erst enden sollte als die Marktgemeinde mit dem Erwerb des Grundstücks und den Erweiterungsplanungen für das Katharinenheim „bedrohlich“ weit fortgeschritten war und der Abriss der Altgebäude immer näher rückte.

Zeitdruck ist in der menschlichen Welt eine tolle Sache, denn oftmals führt er dazu, dass Menschen bereit sind ihre vielfältig vorhandenen Kräfte und Talente zu bündeln und innerhalb kürzester Zeit zur Höchstleistung auflaufen. Im August 2018 war es dann so weit. Neben dem Ausbau der Dampfmaschine und der teilweisen Demontage mussten die Oldtimerfreunde auch die Grundlagen für den erneuten Aufbau der mehr als 30 t schweren Dampfmaschine schaffen. Kein einfaches Unterfangen denn es war nicht leicht „auf die Schnelle“ einen geeigneten Standort für diese Unternehmung zu finden.  

Markus Brandl, der Brandlwirt, hat sich dann bereit erklärt, dass die Dampfmaschine auf seinem Grund in Hemhof aufgestellt und präsentiert werden darf. Im Verlauf des Spätsommers 2018 mussten dann alle Arbeiten für die Fundamentlegung durchgeführt werden, damit die Dampfmaschine an ihrem neuen Standort auch wirklich festen Grund unter ihren gusseisernen Füßen spüren konnte. Den ersten Winter fristete sie dann noch gut unter Planen verpackt im Freien, aber im Verlauf des Frühjahrs und Sommers 2019 bekam sie eine schicke Überdachung. Mittlerweile sind sogar die „Außenanlagen“ fertig gestellt worden und das gute Stück kann sich dem Publikum in seiner vollen Pracht präsentieren. 

Auf dem Bild eines der diversen Typenschilder aus dem Jahr 1914